Kirchen

St. Peter - Die Grabeskirche der Hl. Lioba

 

Die Grabeskirche der Hl. Lioba auf dem Petersberg gehört ohne Zweifel zu einem der herausragendsten Kirchenbauwerke des Bistums Fulda. Vergleichbar an Alter und Ehrwürdigkeit sind allenfalls die ehemalige Fuldaer Stiftskirche - der heutige Dom - und die Klosterkirche auf dem Frauenberg. Die Tatsache, daß diese Kirche die ältesten erhaltenen Wandmalereien auf deutschem Boden und somit ein kunsthistorisches Denkmal von unschätzbarem Wert birgt, begründet ihre Einmaligkeit. Jene Kunstwerke befinden sich in der Krypta, welche zugleich Grabesstätte der Hl. Lioba ist, seit im Jahre 836 Rabanus Maurus den Leib der Heiligen feierlich auf den Petersberg übertragen ließ. Der Steinsarg im tonnengewölbten Quergang der Krypta barg die Gebeine der Heiligen von 836 bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Der Rabanbau war eine dreischiffige Basilika, daher die Rundbogen und Durchgänge zu beiden Seiten des Triumphbogens. Grundlegend verändert wurde das Gesamtbild der Kirche jedoch durch den spätgotischen Umbau von 1479. Damals wurde das Langhaus der romanischen Basilika niedergerissen und eine einschiffige gotische Halle mit Fenstern ohne Maßwerk zwischen Turm und Vierung erbaut. Der Fußboden wurde wesentlich höher gelegt und der Raum unter ihm zur Begräbnisstätte der Mönche eingerichtet. In der Zeit des Barock entstanden die die Kirche umgebenden Wehrmauern und die in den Berg hineinragenden Wagenhallen, in welchen sich heute u.a. eine Marienkapelle befindet. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Bau noch mehrmals umgestaltet und mit zahlreichen Kunstwerken versehen. Eine Beschreibung derselben würde den hier vorgesehenen Rahmen bei weitem sprengen und verbietet sich geradezu. Es sei daher auf die Möglichkeit einer Führung durch das Gotteshaus verwiesen, ein Dienst, der von den Liobaschwestern ausgefüllt wird. Zudem sei der von Anton Schmitt verfasste Kirchenführer " Der Petersberg bei Fulda - Grabeskirche der Heiligen Lioba" empfohlen, welcher im Verlag Parzeller, Fulda erschienen ist. Wie erwähnt wird die Grabeskirche von den Liobaschwestern betreut, deren "Cella St. Lioba" nach über vierjähriger Vorbereitung im Jahr 1996 in Petersberg, Stettiner- Str. 3, als provisorische klösterliche Niederlassung benediktinischer Liobaschwestern aus Freiburg gegründet wurde. Die Schwestern leisten u.a. Sakristeidienst in der Grabeskirche der Heiligen und begleiten die Gemeinde als Ansprechpartnerinnen und im Gebet. Ehrendomkapitular Msgr. Ludwig Vogel hatte 1992 erstmals den Kontakt zu den Schwestern geknüpft. Durch die Anwesenheit der Liobaschwestern wird die Botschaft Liobas für die ganze Gemeinde erfahrbar. Der Petersberg gilt als wichtigste Verehrungsstätte des Ordens, der bisher das Wirken der Heiligen im Sinne ihrer Lebens- und Glaubensgeschichte weit über die Grenzen Europas bis nach Asien hinein fortzuführen bemüht war.
Mit der Eröffnung der "Cella St. Lioba" verbindet sich nun jene ortsunabhängige Wirkkraft der Heiligen auch mit dem Ort ihrer Ruhestätte, was schon vor 70 Jahren der Wunsch der Ordensgründerin Maria Benedikta Föhrenbach war. Doch in erster Linie geht es den Schwestern darum, mit den anderen Christen als Getaufte unterwegs auf dem Weg in die Zukunft zu sein. Mit dem Bestreben, die benediktinische Ordensregel "Ora et labora" durch ein klösterliches Leben und den sozialen Dienst am Nächsten zu verwirklichen stellt sich eine große Aufgabe; Im Laufe der Jahrhunderte hat das Kloster immer wieder schwere Schicksalsschläge hinnehmen müssen und wurde in der Säkularisation aufgehoben. Aus Sicherheitsgründen wurden die Gebeine der Heiligen bereits in den Wirren der Bauernkriege in die Stiftskirche nach Fulda gebracht. Im Jahr 1995 wurde auf Wunsch vieler Gläubiger die Hauptreliquie der Ordenspatronin in ihre jahrhunderte alte Grabesstätte zurückgebracht.
Im Jahr 2007 zieht die "Cella St. Lioba" in das neue Gebäude neben der Grabeskirche
der Hl. Lioba um.

Grabeskirche der Hl. Lioba

Unter allen Kirchenbauten in Fuldas Umgebung verdient die Kirche auf dem Petersberg den ersten Platz. Alter und Ehrwürdigkeit ihrer Geschichte können nur mit der ehemaligen Fuldaer Stiftskirche, dem heutigen Dom, und der Klosterkirche Frauenberg, dem ehemaligen Bischofsberg, verglichen werden.
Im Gegensatz zu diesen haben sich aber in der Petersberger Kirche historische und
kunstgeschichtliche Denkmale aus der Zeit ihres über tausendjährigen Bestehens erhalten.
Als Grabeskirche der hl. Lioba steht sie in ihrer Bedeutung neben der Bonifatiusgruft des Fuldaer Domes.
Die Kirche birgt die ältesten erhaltenen Wandmalereien auf deutschem Boden und somit
ein kunstgeschichtliches Denkmal von einmaligem Wert. Als einzige bietet sie Erinnerungen
an den großen Heiligen Rabanus Maurus. Sie allein hat romanische Plastiken der Fuldaer Bildhauerkunst bewahrt.

Nur schwerlich wird ein aufgeschlossener Sinn von der Bedeutung und Ehrwürdigkeit dieses Baues unbeeindruckt bleiben. Daß der 400 m hohe Berg mit seiner prachtvollen Aussicht auf Rhön und Vogelsberg, auf die Stadt Fulda und weite Teile des Fuldaer Landes eine Stätte großen landschaftlichen Reizes ist, ist eine willkommende Zugabe.

Geschichtliches

Die erste Kirche und ein Benediktinerkloster auf dem Petersberg, damals Ugesberg = Eulenberg
genannt, errichtete der Fuldaer Abt Raban (822 - 842). Die von Raban erbaute Kirche war eine dreischiffige Basilika mit halbrunder Apsis des Mittelschiffes.
Die Apside trug ein Wandgemälde, das die Himmelfahrt Christi und die Herabkunft des Heiligen Geistes darstellte. Raban selbst hat diese Gemälde in einem Gedicht beschrieben.
Der Hochaltar in der Apside war dem hl. Erlöser und den 12 Aposteln geweiht, die Altäre
der Seitenschiffe den hl. Märtyrern und Bekennern.

Auch in den drei Nischen der Krypta errichtete Raban Altäre: in der Mittelnische einen zu Ehren
der Gottesmutter und aller hl. Jungfrauen; in der linken Nische einen zu Ehren des hl. Täufers
Johannes und der Propheten und Väter des Alten Bundes; in der rechten einen zu Ehren des hl. Erzengels Michael und der hl. Engelchöre. Die Nischen der Krypta wurden mit Wandmalereien geschmückt, die den Titeln der Altäre entsprachen. Das Gesamtbild, das diese Altäre mitsamt den sie umgebenden Wandmalereien ergaben, hat Raban in kleinen Versen festgehalten.

Am 28. September 836 ließ Raban die Gebeine der hl. Lioba von der Stiftskirche auf den Petersberg übertragen und in einem Steinsarg in der Mittelnische der Krypta beisetzen. Über dem Sarg wurde eine Holzverkleidung angebracht, die reich mit Goldschmiedearbeit geschmückt war. Bei dieser Gelegenheit erteilte der Mainzer Chorbischof Reginbald der Kirche die Weihe.

Durch die feierliche Übertragung der Gebeine der hl. Lioba war die Verehrung dieser Heiligen an ihrer Grabesstätte auch den christlichen Frauen ermöglicht, die die strenge Klausur der Fuldaer Stiftskirche nicht betreten durften. Der Biograph der hl. Lioba, Rudolf von Fulda, der, angesehen als Wissenschaftler, Dichter und Maler, Rabans Nachfolger als Leiter der Fuldaer Klosterschule wurde, gehörte zu denen, die die Reliquien bei der feierlichen Verbringung in die Kirche trugen.

Raban hat als Fuldaer Abt nicht weniger als 30 Kirchen erbaut. Der Petersberg aber war seine Lieblingsschöpfung. Als er 842 seine Abtswürde niederlegte, wählte er das Kloster Petersberg zu seinem Wohnsitz. Hier, in der Ruhe des kleinen Klosters, schrieb dieser überaus fruchtbare Schriftsteller und große deutsche Geistesmann sein 22bändiges Werk De Universo, das das gesamte theologische und profane Wissen seiner Zeit umfaßte. Vom Petersberg aus zog Raban 847 nach Mainz, um dort den Erzbischöflichen Stuhl zu besteigen.

Der Kirchenbau, der im 9. Jahrhundert von der Bergeshöhe in die weiten, noch schwachbesiedelten Lande Buchonias grüßte und das Landschaftsbild weithin beherrschte, war nicht nur als Grabeskirche der hl. Lioba und als Lieblingsschöpfung des großen Raban ein Gotteshaus von ganz besonderer Bedeutung, er war auch ein Denkmal der karolingischen Renaissance, das an Reichtum der künstlerischen Ausstattung nur von wenigen Bauten dieser Zeit im ganzen ostfränkischen Reich übertroffen wurde.

Nach einigen Jahrzehnten aber fiel dieses Kleinod zum erstenmal der Zerstörung anheim. Im Jahre 915 streiften die Ungarn auf ihrem Raubzug von Schwaben nach Sachsen das Buchenland, zerstörten unter anderem auch Kirche und Kloster auf dem Petersberg und raubten und plünderten, was ihnen wertvoll erschien.

Unter dem Fuldaer Abt Heicho (917-923) wurden die ausgebrannten Gebäude wiederhergestellt. Der Abt besetzte das ehemalige Kloster mit weltlichen Chorherren, die die seelsorgliche Betreuung der allmählich zahlreicher gewordenen Ansiedler übernahmen. Aus der Geschichte dieses Chorherrenstiftes ist uns kaum etwas bekannt. Die Nachrichten, die auf uns gekommen sind, sind wirtschaftlicher Art. Wir wissen daraus, daß auf dem Petersberg einige Domänenbezirke waren, daß es in der Umgebung mehrere Mühlen und Brauhäuser gab, daß Flachs und Wein angebaut wurden und endlich, daß das Chorherrenstift durch den Fuldaer AbtHeinrich J. von Kemnaten (1127 -1133) aufgehoben wurde, weil die Chorherren ihre Pflichten vernachlässigten. Dieser wirkliche Reformabt, der auch die Klostergründungen der Zisterzienser undPrämonstratenser förderte, errichtete nun wieder ein Benediktinerkloster
auf dem Petersberg, das er mit Mönchen aus dem Fuldaer Kloster besetzte. Damit tritt das Kloster Petersberg wieder mehr in das Licht der Geschichte.
Der Mönch Wigger wurde der erste Propst. Die heruntergekommenen Baulichkeiten wurden durch den Fuldaer Abt Konrad 1. (1134 -1140) wiederhergestellt. Im Jahre 1140, gerade vom zweiten Laterankonzil zurückgekehrt, wo er der feierlichen Heiligsprechung Sturmis beigewohnt hatte, starb Konrad auf dem Petersberg und wurde in der dortigen Kirche beigesetzt. Im 12. Jahrhundert müssen in dem wiedererstandenen Kloster eine rege Bautätigkeit und eine kulturelle Blüte geherrscht haben. In jener Zeit wurde das Oktogon über dem Chorquadrat errichtet.

1153 fügte der Propst Reginfried der Krypta eine vierte Nische an, um auf diese Weise das Fundament für eine Erweiterung der südlichen Chorkapelle zu schaffen. Die damit auch gewonnene zusätzliche Kapelle in der Krypta wurde dem Evangelisten Johannes geweiht; die Wandmalereien der dritten Nische fielen größtenteils dieser Erweiterung zum Opfer. Unter Propst Gundelaus (um 1170) wurde vermutlich die Innenausstattung der Kirche verändert. Aus jener Zeit stammen die prachtvollen romanischen Reliefs der Kirche; um 1200 stand in der Mitte der Kirche ein Kreuzaltar nach dem Vorbild der Fuldaer Stiftskirche.

Einer der markantesten Pröpste im 13. Jahrhundert war der Propst Bertho von Leibolz, den man z. Z. des Interregnums, als das Raubritterwesen unerträgliche Ausmaße angenommen hatte, zum Abt von Fulda wählte, weil man einen Mann brauchte, der mit Energie, Zähigkeit und Härte die unerträglichen Verhältnisse meistern konnte. Es waren ihm auch große militärische Erfolge beschieden, doch fand er ein furchtbares Ende. Während der hl. Messe wurde er in der Jakobskapelle zu Fulda im Jahre 1271 von den Rittern ermordet.

Von 1282 bis 1286 lebte auf dem Petersberg der ebenfalls durch Bekämpfung der
Raubritter verdiente Fuldaer Abt Bertho von Bimbach, der nicht nur ein erfolgreicher
Verteidiger des Landfriedens war, sondern auch ein großer Marienverehrer, der
das Marianische Offizium einführte. Durch Rudolf von Habsburg der äußeren Verwaltung
des Klosters Fulda enthoben, die der Kaiser in demütigender Weise den
Grafen von Katzenellenbogen übertragen hatte, verbrachte er seine letzten Jahre
auf dem Petersberg.

Seit 1298 war mit dem Petersberger Kloster eine eigene Pfarrei verbunden,
die aus der alten Großpfarrei Margretenhaun abgetrennt wurde. Im Jahre 1327,
als Friedrich von Österreich und Ludwig der Bayer um die deutsche Kaiserkrone
stritten und sich der Fuldaer Abt Heinrich VL von Hohenberg (1315 - 1353) aus Gewissensnot
von König Ludwig dem Bayern lossagte und auf die Seite des im Exil lebenden
Papstes Johann XXII. trat, erlebte die Abtei Fulda einen Überfall durch Anhänger Ludwigs.
Bei diesen Kämpfen, in denen das Kloster Frauenberg durch Brandlegung zerstört wurde,
wurde auch die Propstei Petersberg verwüstet.

Nur vier Jahre später (1331) erlebte das Kloster unter Propst Godefried noch einmal
das gleiche Schicksal. Durch den Verrat des Stiftsvogtes Graf Johann von Ziegenhain war
unter den Bürgern Fuldas die offene Revolution gegen den Fürstabt ausgebrochen.
Neben dem Stift, der Abtsburg und dem Kloster Frauenberg wurde dabei auch der Petersberg
geplündert und in Brand gesteckt. Abt Heinrich VI. ließ die zweimal verwüstete Propstei
wiederherstellen. In den zwei Jahrhunderten zwischen dem Fuldaer Bürgeraufstand und
dem Bauernkrieg finden wir wiederholt Pröpste aus dem buchischen Adel auf dem Petersberg,
so aus den Familien von Bimbach, von Haune, von Buchenau, von der Tann.
Wilkin von Küchenmeister, der von 1479 bis 1482 Propst war, legte das wohl baufällig
gewordene dreischiffige Langhaus des ehrwürdigen Rabanusbaues nieder und setzte
an dessen Stelle das heutige einschiffige, gotische Langhaus. Bei gleicher Gelegenheit
ersetzte er vermutlich die Apsis in Hauptchor und mittlerer Kryptanische durch eine
gerade Abschlußwand. 1479 wurde die umgebaute Kirche geweiht. Sie erhielt damals
auch eine gotische Ausstattung. Apollo von Vilbel, ein Nachfolger Küchenmeisters,
der uns eine umfangreiche Chronik hinterlassen hat, berichtet, daß Küchenmeister die Kirche
mit ,,herrlichsten Flügelaltären" ausstattete. Sie sind nicht erhalten.

Unter Apollo von Vilbel wurden am Osterfest 1525 Kirche und Kloster im Bauernkrieg
von den aufrührerischen Haufen erneut verwüstet und geplündert. Dieser Schicksalsschlag
war für de Petersberg fast tödlich. Propst und Mönche wurden vertrieben;
die wertvolle Bibliothek ging verloren. Die heiligen Hostien wurden blinder Wut sakrilegisch
geschändet. Die Reliquien der hl. Liol waren schon vorher in Anbetracht der allgemeinen
Unsicherheit die Stiftskirche zu Fulda zurückgebracht worden. Durch die Rückübertragung
entgingen sie der Vernichtung.

Der Konvent ging zuletzt vollständig ein. Auf dem Petersberg wohnte nunmehr nur ein Mönch
oder Weltgeistlicher als Seelsorger. Der Reformabt Balthasar von Dermbach übertrug 1570
die wirtschaftliche Verwaltung der Propstei seinem Bruder Otto von Dermbach,
die geistliche dem Dechanten Johannes Griebe aus Hünfeld. Im Jahr 1613 wurde der
bedeutende Petrus von der Feltz Propst. Er ließ die stark mitgenommenen Gebäude
wiederherstellen, und 1619 konnte das Kloster wieder mit Benediktinermönchen besetzt werden.
Doch im Jahre 1619, das für den Petersberg fast die Bedeutung einer Neugründung hatte,
war schon der Dreißigjährige Krieg im Gange. 1633 wurde das Kloster erneut durch
die Schweden und Hessen geplündert. Die Mönche mußten erneut die Stätte ihres Wirkens
verlassen.

Erst nach dem Westfälischen Frieden (1648) kam langsam wieder ein klösterliches Leben
auf dem Petersberg zustande. Unter Propst Aemilian von Daiwig (1644 -1669) verbrachte
der Markgraf Bernhard Gustav von Baden-Durlach hier sein Noviziat.
Er wurde später Fürstabt von Fulda und mit dem Purpur des Kardinals ausgezeichnet.

In der Zeit des Frühbarocks und Hochbarocks hatte der Petersberg wiederholt Pröpste,
die die Schäden des Dreißigjährigen Krieges in vorbildlicher Weise beseitigten; so
Odo von Riedheim (1669 -1690), der der Kirche neue Altäre gab, Paramente und
Kirchengeräte beschaffte und 1685 das gefällige Kirchenportal errichtete;
Phillip von Spiegel zu Diesenberg (1691 -1720), der der Kirche weitere Altäre und
die Kanzel schenkte und ebenfalls Paramente und Kelche;
Placidus von Bastheim (1720 -1736), der den Hochaltar stiftete;
Karl von Fechenbach (1739 -1753), der die Orgel erstellen ließ.

Zwei der Petersberger Pröpste des 18. Jahrhunderts wurden Fuldaer Weihbischöfe:
Konstantin Schütz von Holzhausen, der im Jahre 1757 durch Papst Benedikt XIV.
hierzu ernannt wurde, so daß von 1757 bis 1775 die Propstei Petersberg auch Wohnsitz
eines Bischofs war; Lothar Freiherr von Breidbach zu Bürresheim, der 1778
als erwählter Domdechant und Weihbischof den Petersberg verließ.
Der Siebenjährige Krieg (1756 - 1763), der dem Fuldaer Land überaus schwere Wunden
schlug, ging auch an dem Petersberg nicht spurlos vorüber. Am 29. November 1759
lieferten sich an seiner Osthängen Preußen und Württemberger
ein äußerst blutiges Gefecht. Plünderungen und unerträgliche Kontributionen
waren in der ganzen Kriegszeit an der Tagesordnung.

Noch der vorletzte Propst Adolph Freiherr von Hövel (1778 - 1794), der hier in einer armen
und weithin verweltlichten Zeit residierte, schenkte der Kirche wertvolle Paramente
und Geräte. Sc besaß die Propsteikirche am Ende der Barockzeit eine reicht Innenausstattung
und einen beachtlichen Kirchenschatz. Der letzte Propst des Petersberges war
Sigismund Freiherr von Bibrc (1794 -1802), ein Neffe des damals schon verstorbenen Fuldaer
Fürstbischofs Heinrich von Bibra. Als Mann von hohen Geistesgaben war er Rektor
der Fuldaer Universität und Präsident der weltlichen Regierung. Doch wirft die Rolle,
die er in der Vorbereitung der Säkularisation spielte, kein gutes Licht auf seinen Charakter.
Als gewandter Diplomat war er der Gegenspieler des edlen, frommen und
kaisertreuen Fuldaer Fürstbischofs Adalbert von Harstall und der Wegbereiter des
Fürsten von Oranien, der ihn sofort in seine oraniennassauische Konferenzkommission
übernahm und mit einer hohen Pension abfand. Doch konnte Sigismund von Bibra,
unter dem die 1000-jährige Klostergeschichte des Petersberges abschloß,
sich seiner neuen Stellung nicht lange erfreuen. Er starb am 5. März 1803.

Seit der Säkularisation war die Petersberger Kirche eine Pfarrkirche wie ungezählte andere.
Nachdem sie als solche für den großen Ort viel zu klein geworden war, wurde sie eine Filial-
und Wallfahrtskirche. Aber sie ist die Grabeskirche der hl. Lioba und ein ehrwürdiges
Denkmal von großer kunstgeschichtlicher Bedeutung. Das Klostergebäude wurde nach
der Säkularisation unverantwortlicherweise abgerissen. Der historische Bau,
der wahrscheinlich noch manche Erinnerung an die Zeit des hl. Rabanus trug,
diente der Bevölkerung als bequemer Steinbruch.

Das die Propstei Petersberg umgebende Dorf, im Mittelalter Brubus, später Brauhaus genannt,
erhielt 1837 durch kurfürstlichhessische Verordnung den Namen Petersberg.

Folgende Broschüre kann bei uns erworben werden:


Petersberg
St. Peter („Liobakirche“), St. Rabanus Maurus, St. Paulus in Fulda-Ziehers-Nord
Herausgeber: Jan Kremer
Autoren: Christine Kenner, Alexandra Fink, Michael Imhof
ISBN 978-3-86568-333-5
16,5 x 24 cm, 32 Seiten, 62 Farbabbildungen, geheftet

Euro 4,00 / CHF 7,60 Euro / (A) 4,15

Die sogn. „Liobakirche“ in Petersberg bei Fulda ist die Grabeskirche der heiligen Lioba, einer Verwandten des heiligen Bonifatius („Apostel der Deutschen“).
Neue Bauuntersuchungen bestätigen, dass die Kirche um 836 erbaut wurde und zu wesentlichen Teilen noch erhalten ist. Damit gehört die Kirche zu den ältesten erhaltenen Bauwerken in Deutschland, mit den ältesten erhaltenen Fresken und Altären aus der Bauzeit.
(Text und Bild: Imhof Verlag / http://www.imhof-verlag.de)

 


Die Krypta, Grabesstätte der hl. Lioba

Die Krypta ist nicht nur als eines der ältesten christlichen Bauwerke auf deutschem Boden
ehrwürdig, nicht nur wegen der in ihr erhaltenen ältesten deutschen Wandmalereien
von größter kunstgeschichtlicher Bedeutung, sie ist auch als Grabesstätte der hl. Lioba
ein Wallfahrtsort von mehr als 1 baujähriger Geschichte. Der Steinsarg im tonnengewölbten
Quergang der Krypta barg die Gebeine der Heiligen von 836 bis zum Ende
des 15. Jahrhunderts. Er ist die ,,arca saxea", in die Rabanus die Reliquien der 782
gestorbenen Heiligen übertrug. Er trägt in Bronzebuchstaben die Aufschrift:
RELIQ SCAE LIOBAE VIRGINIS. Lioba (ihr Taufname war Truthgeba, ihr Klostername
Leobgyth) wurde etwa 710 geboren. Sie war eine Verwandte des hl. Bonifatius.
Erzogen in dem Kloster Thanet unter der hochgebildeten Äbtissin Eadburg,
nahm sie später in ihrem Heimatkloster Wimborn in Wessex selbst den Schleier
und wurde dort Lehrerin und Erzieherin. Etwa 739 folgte sie auf eigenen Wunsch
und von Bonifatius gebeten ihrem großen Verwandten nach Germanien.
Bonifatius setzte sie als Äbtissin des Klosters Tauberbischofsheim ein und
übertrug ihr bald die Oberleitung der übrigen Frauenklöster seines Gebietes.
In dieser Stellung blieb Lioba über ein Vierteljahrhundert.
Alle Quellen sagen uns, daß sie eine Frau von feinster Geistesbildung,
von liebenswürdigsten Charaktereigenschaften und begnadetem Erziehertalent war.
Dazu war ihr noch ein ungewöhnlicher persönlicher Liebreiz geschenkt.
So ist sie auch mit ihrem Kosenamen Lioba in die Geschichte eingegangen.

Liobas Bedeutung für die Festigung des jungen Christentums im ostfränkischen Reich
kann kaum überschätzt werden. Fürsten und Bischöfe bedienten sich ihres Rates.
Bonifatius selbst nannte sie den ,,Trost seiner Pilgerschaft". Kaiser Karl der Große
brachte ihr eine große Verehrung entgegen. Die Kaiserin Hildegard zog sie
einmal an den Hof nach Aachen, den sie jedoch schnell wieder verließ.
Die Heilige starb am 28. September 782 in dem Klösterchen Schornsheim bei Mainz,
wohin sie sich, vom Alter gebeugt, zurückgezogen hatte. Ihr Leichnam wurde
nach Fulda überführt und einer Anordnung des hl. Bonifatius entsprechend
in der Stiftskirche beigesetzt. Im Jahre 836 ließ Rabanus Maurus den Leib
der Heiligen feierlich auf den Petersberg übertragen und in der hierzu würdig
hergerichteten Krypta beisetzen. Die Architektur der Kirche kann nur in Kenntnis
der durch tausend Jahre hindurch erfolgten Zerstörungen und Wiederherstellungen,
Umbauten und Neubauten erfaßt werden. Deshalb sei hier nicht eine Beschreibung,
sondern der Versuch einer baugeschichtlichen und kunstgeschichtlichen Analyse gegeben.

Der am wenigsten veränderte Teil der ersten Kirche ist die Krypta, von außen
als solche nicht zu erkennen. Drei tonnengewölbte Nischen (die südöstliche
großenteils zerstört) mit einem vorgelagerten, tonnengewölbten Quergang, liegen,
von Osten gesehen, zu rbener Erde. Die Mittelnische hatte früher eine halbrunde Apside,
deren Fundamente durch Ausgrabung nachgewiesen sind. Die heutige gerade Ostwand
datiert wahrscheinlich vom letzten großen Umbau 1479.
Von der unter Rabanus Maurus (822 - 842) errichteten Kirche dürfte sich
ferner das Untergeschoß des Westturms erhalten haben. Der alte Portalbogen,
der die Kirche mit dem abgerissenen Kloster verband, ist deutlich zu erkennen.
Im Inneren des Turmuntergeschosses sind Archivolte und Kämpfer des karolingischen
Portals gut sichtbar. Der Fußboden dieser ursprünglichen Vorhalle lag damals wesentlich tiefer.

Die Vierung, die heute oben ins Achteck übergeht, steht in ihrem Vierungsquadrat
im wesentlichen ebenfalls noch von dem Rabanbau vor uns (nur von innen zu sehen).
Die niedrigen Arkadenbogen der Seiten mit ihren überaus fein gearbeiteten Säulchen
und Kapitälen wurden erst 1928 wiederentdeckt und freigelegt.
Der Rabanbau war eine dreischiffige Basilika, daher die Rundbogen und Durchgänge
zu beiden Seiten des Triumphbogens. (1928 wiederhergestellt.)

Von einer bezeugten Wiederherstellung nach dem Ungarneinfall (um 920) stammen
die heute außerhalb an der Südseite aufgestellten Würfelkapitäle,
wie Professor MeyerBarkhausen in Anbetracht der Ähnlichkeit mit frühottonischen
Kapitälen aus Fulda vermutet. In romanischer Zeit muß wiederholt an der Kirche
gebaut worden sein. Das bezeugen zunächst die erhaltenen
frühromanischen Einsteinfenster, die sich aber heute nicht mehr an den ursprünglichen
Stellen befinden; ferner der romanische Turm, der der Westfassade aufgesetzt wurde
und mit seinen dreiteiligen Schallarkaden so auffallend an die Türme der Michaelskirche
in Fulda und der Propsteikirche Neuenberg erinnert, daß man ihn in die gleiche Zeit
(etwa erste Hälfte des 12. Jahrhunderts) datieren muß.

Eine durchgreifende Restaurierung erfolgte nach Wiederherstellung des Benediktinerklosters
unter Abt Konrad 1. (vor 1140). Es sei hier der Vermutung Ausdruck gegeben,
dass die zahlreichen Werkstein mit Seilornament, die heute im Mauerwerk verstreut sind,
von dieser Bauperiode stammen, weil die zu gleicher Zeit entstanden romanische
Prämonstratense Basilika in Ilbenstadt/Hessen da gleiche Ornament in durchlaufendem
Fries verwendet.

Im Jahre 1153 erweiterte Propst Reginfried die südliche Chorkapell und schuf in deren
Unterbau zugleich eine vierte Kryptanische, die dem hl. Johannes Evangelist geweiht
wurde. Die Ausmalung der dem Erzengel Michael geweihten dritten Nische wurde
dabei freilich größtenteils zerstört; die Altarplatte mußte als Werkstein für ein
in die Außenwand eingemauertes Einsteinfenster herhalten.

Gebaut hat auch der Propst Gundelaus (um 1170). Er schuf wohl auch das Oktogon
über der Vierung. Von Gundelaus hat sich auch ein Weihwasserbecken mit Seilornament
erhalten, so daß die Seilornamentbruchstücke auch noch von seiner Bautätigkeit herrühren
könnten.

Der Rabanbau, die dreischiffige Basilika, blieb bei allen diesen Umbauten im Kern erhalten.

Grundlegend verändert wurde das Gesamtbild der Kirche jedoch durch den spätgotischen
Umbau von 1479 durch Propst Wilkin von Küchenmeister (Bauinschrift auf der Rückseite
des Ambo). Damals wurde das Langhaus der romanischen Basilika niedergerissen und
eine einschiffige gotische Halle mit Fenstern ohne Maßwerk zwischen Turm und Vierung
erbaut. Der Fußboden wurde wesentlich höher gelegt und der Raum unter ihm zur
Begräbnisstätte der Mönche eingerichtet. Da das Langhaus nun viel höher wurde,
stößt sein Satteldach so hoch an Turm und Oktogon, daß deren architektonische Wirkung
hierdurch bedauerlich beeinträchtigt wird.

Zutaten der Barockzeit zur Architektur der Kirche sind das 1685 von Propst Odo von Riedheim
errichtete gefällige frühbarocke Kirchenportal und die welsche Haube des Oktogons.
(Auf einem Stich von 1683 trägt es noch ein spitzes, achteckiges Turmdach.)

Darüber hinaus hat der Barock den Gesamteindruck des Baues wesentlich,
und zwar durchaus vorteilhaft verändert durch die 1738 durch den
Propst Leopold Specht von Bubenheim errichteten Mauern und Wagenhallen.
Wirkt das umfangreiche Mauerwerk mit seinen Torbogen, Treppen und Strebepfeilern
wie festungsartige Unterbauten, so faßt das auch hier angewandte Motiv
der Fuldaer Balustrade die Kirche ebenso in einen barocken Rahmen
wie die Balustrade des Fuldaer Michaelsberges das Kleinod der Michaelskirche.

Während das 19. Jahrhundert sich durch den unbegreiflichen Abbruch des Klosters
an dem Petersberg versündigte, hat das 20. in mehreren liebevoll und
mit kunstgeschichtlichem Verständnis durchgeführten Restaurierungen (zuletzt 1971 - 1975)
das ehrwürdige Bauwerk erhalten.

In der Mittelnische der Krypta an der Vorderseite des Altares
die ältestes Altarplatte (70 x 62 cm) des von Raban errichteten Altare.
Am Grabe der lil. Lioba mit der Inschrift: HOC ALTARI DEDICA E IN HONORE SCAE MARIAE
MATRIS DNI M OMNIUM SCARUM VIRGINUM. Zu deutsch: Dieser Altar ist geweiht
zu Ehren der hl. Maria, der Mutter des Herrn, und allen heiligen Jungfrauen.
(In der Mitte der Inschrift das jetzt leere Sepulchrum für die Reliquien.)

Über dem Altar in einer Mandorla Maria mit Jesuskind, link' weibliche Heilige,
rechts männliche. In acht Rundbildern auf derr Bogengurt Heiligenbilder.
Die ehemalige Apside, in der die Malere sich fortsetzte, ist nicht mehr vorhanden.
Den Anblick des Altares mit den ihn umgebenden Malereien hat Raban in folgendem
Verslem festgehalten (in deutscher Übersetzung): Jungfrau, Gottesgebärerin!
Diesen Altar, den du rechtmäßig einnimmst, besitzt mit dir der jungfräuliche Chor.

Die dargestellten männlichen Heiligen sind in geistlichem Sinne jungfräulich.
Deshalb spricht Raban in seinem Vers auch nicht von heiligen Jungfrauen,
sondern von einem jungfräulichen Chor.

In der linken Kryptanische, deren alter Altar ganz verloren ist, befindet sich
an der Vorderseite des neuen Altares die Altarplatte des ehemaligen Hauptaltars
aus dem Chor der Raban-Basilika. Sie trägt die Inschrift: IN HAC ARA CONTINENTUR RELIQ
SE SALVATORIS DE LOCO ASCENSIONIS EIUS ET RELIQ XII APOSTOLORU, zu deutsch:
In diesem Altar befinden sich Reliquien des hl. Erlösers vom Orte seiner Himmelfahrt und
Reliquien der zwölf Apostel.

Im Gewölbe über dem Altar das Lamm Gottes, davor Christus im Jordan,
ihm zur Seite Engel, die das Gewand Christi halten, und Johannes der Täufer.
Zu beiden Seiten des Altares Prophetengestalten. Raban hat die Malerei um
den ehemaligen Johannesaltar in nachfolgendem Vers festgehalten:

An diesem heiligen Altar wird der mächtige Täufer verehrt, ihn umhegt die Schar
der Propheten und Väter. Aus der Platte des ehemals von Raban errichteten Altars
der rechten Kryptanische wurde anläßlich eines Umbaues in romanischer Zeit
ein Einsteinfensterchen gearbeitet. Es befindet sich heute in der südlichen Kryptawand.
Der Altar war dem hl. Michael und den heiligen Engelchören geweiht.
Man kann von innen zu beiden Seiten des Fensterchens noch die Worte lesen:
(H)OC ALTARE DEDI... CORU ANGELORU.

In der rechten Kryptanische, von der nur die linke Seitenwand der 1153 umgebauten
Kapelle erhalten ist, an dieser Stelle Engelsgestal ten. Im Gewölbe befand sich
ursprünglich eine Darstellung de hl. Erzengels Michael, dem der Altar geweiht war.
Rabans Vers zu diesem Altar lautet: Diesen Altar ziert der Erzengel Michael und
ihn schmücken gleicherweise die Heerscharen der Engel.

Es sei hier ergänzend vermerkt, daß vor Abbruch der Apside de alten Basilika auch
die Apsis hinter dem Hauptaltar der Oberkirche ausgemalt war, was Raban in einem
ausführlichen Gedicht festge halten hat. Diese Wandgemälde stellten die Himmelfahrt
des Herrr und die Herabkunft des Heiligen Geistes dar.

Für die Wandmalereien der Krypta konnte die Entstehung zur Zeit Rabans bewiesen werden,
weil die Weihetitel der Altäre, die Auffindung der alten Altarplatten, der Inhalt
der Wandgemälde und die kleinen Gedichte Rabans volle Übereinstimmung ergaben.
Rabani Verse können sich nur auf die Malereien der Nischen beziehen, wei] es in
karolingischer Zeit nur Altartische, aber keinen plastischen und malerischen Schmuck
der Altäre selbst gab.

Karolingische Wandmalereien. Der Inhalt stimmt mit den Altartiteln des Hrabanus überein,
der sie nach seinen Gedichten noch gesehen haben muß.« (DehioGall. Handbuch
der deutschen Kunstdenkmäler. Nördliches Hessen.)

,,Besondere Bedeutung haben die für die Nischen auf dem Petersberg überlieferten
Tituh Rabans in Ergänzung der hier noch vorhandenen beträchtlichen Reste des
karolingischen Bauwerks und seiner Ausmalung ... Wie Anton Schmitt überzeugend
für die Krypta nachgewiesen hat, beziehen sich auch die anderen Altartituh zugleich
auf die Reliquien der Altäre und auf die entsprechenden Wandmalereien, ein Zusammenhang,
der nirgends so klar zu erkennen ist wie auf dem Petersberg." (MeyerBarkhausen,
in Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte, 1957.) Für die weiteren Wandmalereien
der Krypta fehlen derart glückliche Anhaltspunkte. Ob die Malereien des den Nischen
vorgelagerten Q uergangs auch aus der Zeit Rabans stammen, ist deshalb nicht geklärt.

Auch der Inhalt der teils noch erkennbaren, teils aber ganz undeutlichen Malereien ist umstritten.
Beim nördlichen Kryptaeingang glaubt man, eine Darstellung im Tempel vor sich zu haben.
Deutliche Tierbilder im Gewölbe gehören wohl zu einer Verkündigung der Geburt
des Erlösers an die Hirten. Die Wandmalereien der Krypta sind seit 1935 freigelegt.
Der Erhaltungszustand war infolge des hohen Alters der Bilder schlecht. Die damals
durchgeführte ,, Überrestaurierung" war wenig geglückt. 1974 wurden die Darstellungen
wieder in ihren ursprünglichen Erhaltungszustand versetzt. Im Quergang der Krypta steht
beherrschend der Steinsarg von 836 der heiligen Lioba (vgl. S.12 ff.). Er ist mit
einem Bronzedeckel (Arbeit von Frau Lioba Munz OSB, Fulda) verschlossen.
Über dem Sarkophag befinden sich in einer verglasten Nische Reste des Holzsarges,
in dem im Jahre 836 die Gebeine der heiligen Lioba aus der Stiftskirche in Fulda
in die Kirche auf dem Petersberg überführt wurden. Daneben Behälter mit den Reliquien
der hll. Bonifatius, Sturmius und Lioba. Wir stehen in der Lioba-Krypta der Petersberger
Kirche in einem Sakralraum der Karolingerzeit, von dem wir mit eindeutiger Sicherheit
den geistigen Urheber der Ausschmückung kennen (Raban) und mit großer Wahrscheinlichkeit
den ausführenden Maler, den Fuldaer Mönch Bruun (+845), der kurz vorher in der Fuldaer
Ratgarbasilika die Westapsis über dem Bonifatiusgrab mit Wandmalereien ausgeschmückt hatte.

Romanik

Zu den kostbaren Schätzen der Kirche gehören auch sechs romanische Steinreliefs.
Keine dieser Arbeiten befindet sich heute noch am ursprünglichen Platz. Die Darstellungen
des Heilandes und der Gottesmutter zu beiden Seiten des Triumphbogens sind heute
an Stellen angebracht, an denen im romanischen Bauwerk die Seitenschiffwände
an das Querhaus anstießen; die übrigen vier Reliefdarstellungen sitzen in dem Mauerwerk
des spätgotischen Langhauses. Die Bilder stammen aus einer Zeit, in der die Vollplastik
noch kaum entwickelt war. Urkundliche Belege für ihre Datierung sind bis jetzt nicht bekannt.
Ihre monumentale Gestaltung läßt sie in der Zeit der staufischen Renaissance einordnen
(Zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts.). Alle Figuren tragen den gleichen Nimbus (Heiligenschein),
der ihre Herkunft aus gleicher Werkstatt verrät. Sehr ähnlich gegliederte Heiligenscheine
finden wir am Portaltympanon von St. Godehard, Hildesheim (vor 1172), und am Grabmal
der Plektrudis in St. Maria am Kapitol zu Köln (um 1180). Die Verwandtschaft
der Petersberger Reliefs mit Buchmalerei, Elfenbeinschnitzerei und Goldschmiedearbeit
gestattet vielleicht eine noch etwas ältere Datierung.

Rechts vom Triumphbogen: Christus als Weltheiland auf dem Regenbogen thronend,
mit aufgeschlagenem Buch in der linken, die Rechte segnend erhoben.

Links vom Triumphbogen: Maria als Himmelskönigin, das segnende Christuskind
auf dem Schoß, in der Rechten das Lilienzepter tragend, auf architektonisch gestaltetem Thron.

An der Südwand des Langhauses: St. Bonifatius, durch Inschrift eindeutig geklärt,
mit Evangelienbuch und Bischofsstab im erzbischöflichen Ornat mit Pallum.
Daneben Bruchstück einer Darstellung der Schlüsselübergabe an Petrus. Das kleine,
aber schöne Bruchstück ist von besonderem Wert, beweist es doch, daß die gesamte Serie
von Anfang an für die Kirche St. Peters bestimmt war, ebenso wie die für das 12. Jahrhundert
ganz seltene Darstellung des hl. Bonifatius auf Fulda als Entstehungsort deutet.

An der gegenüberliegenden, nördlichen Wand zwei Herrschergestalten mit Reichsapfel
und Zepter; seit dem 17. Jahrhundert allgemein als Karlmann und Pippin gedeutet.
Wegen der Heiligenscheine wird diese Deutung auch angezweifelt und etwa
das heilige Herrscherpaar Heinrich und Kunigunde angenommen. Hierzu sei aber auch
der Hinweis gegeben, daß in Köln (St. Maria am Kapitol) das Relief der Königin Plektrudis,
Gemahlin Pippins des Mittleren, ebenfalls einen Nimbus trägt.

Neben dieser Darstellung befindet sich ein Relief symbolischen Inhalts: Ein Hirsch wird
von Hunden gehetzt. Die Abbildung ist umrahmt von einem Seilornament.
Der Stein wurde erst 1889 aus dem Mauerwerk eines Schweinestalles entfernt
und hier angebracht. Er hat lombardische Vorbilder und versinnbildlicht die von der Versuchung
verfolgte Unschuld. Das Seilornament erweist seine ursprüngliche Zugehörigkeit zum Petersberg
und seine Entstehung im 12. Jahrhundert. Ein romanisches Blendfenster, eingerahmt
von Würfelornament, das seinerseits wieder innen und außen von einem Seilornament
umgeben ist, wurde vor der Vierung aufgestellt und dient als Ambo. Dieser Stein war
in Höhe der Empore in die südliche Langhauswand eingemauert. Damals war nur seine
jetzige Rückseite dem Betrachter sichtbar. Diese trägt eine Bauinschrift
des Propstes Wilkin von Küchenmeister mit dessen Wappen und ist datiert von 1479.
Die Übersetzung der Inschrift lautet: im Jahr 1479 am 9. Juni ist dieses Werk vollendet
worden durch Propst Wilkin und seinen Konvent. Betet für mich Sünder, ihr Brüder und Schwestern!

In der Krypta befindet sich über dem Altar der nördlichen (linken) Nische ein aus einem Stein
gearbeitetes, dreiteiliges, mit Eichenlaub verziertes Fenster. Am ebenerdigen Ausgang
der südlichen (rechten) Nische ist ein Weihwasserbecken mit Seilornament und der Aufschrift
Gundelaus (Propst um 1170) angebracht.

Spätgotik

Aus der gleichen Zeit wie die vorerwähnte Bauinschrift des Propstes
Wilkin von Küchenmeister dürfte die fast die gesamte Raumhöhe einnehmende Darstellung
des hl. Christophorus an der Südwand des Langhauses stammen. Das Wandgemälde wurde
1974 bei der Restaurierung der Kirche wiederentdeckt.

Renaissance

Im Turmuntergeschoß Taufstein von 1570; an der Westwand des Raumes ehemalige Gewölbe-
schlußsteine mit Wappen des Propstes Joh. Adolf von Hoheneck (1625 - 1632), später
Fürstabt von Fulda, und eines Wolf zu Metternich. Die Steine dürften aus einem früheren
Turmgewölbe stammen oder aus dem Kreuzgang des ehemaligen Klosters.

In der südlichen Chorkapelle: Grabmal des 1597 verstorbenen Propsteiverwalters Otto von Dermbach,
Bruder des Fuldaer Fürstabtes Balthasar von Dermbach. Der Ritter kniet, vollplastisch gebildet,
vor dem Kruzifix; strenge Renaissance-Architektur des Epitaphs. In dem nördlichen Seitenraum
des Chores: Grabplatten für die Pröpste Petrus von der Feltz (+1625) und Gallus von Ostheim
(+1664), je mit dem Wappen der Verstorbenen und vier Ahnenwappen geziert.

Aus der Zeit des Manierismus, der Spätzeit der Renaissance, stammt die Kassetten-Holzdecke
mit ihrer Bemalung (Anfang des 17. Jahrhunderts). Die die Kassetten ausfüllenden
Blumenornamente wurden 1974 von einer graublauen Übermalung, die etwa 45 Jahre
vorher angebracht worden war, befreit und restauriert.

Barock

Die in der Decke eingearbeiteten ovalen Rahmen enthalten fünf Gemälde eines
unbekannten Malers. Möglicherweise sind sie um 1700 entstanden und
dem Maler Joh. Kilian Spangenberger zuzuschreiben. Dargestellt ist in der Mitte
die Aufnahme Mariens in den Himmel; die vier weiteren, kleineren Ovale enthalten
Abbildungen von vier Kirchenlehrern (Gregor der Große, Isidor von Sevilla,
Anselm von Canterbury und Ildefons von Toledo), die sich besonders der Marienverehrung
angenommen hatten. An den Wänden des Langhauses: ein ehemaliger Altaraufbau (Retabel),
vermutlich von einem Seitenaltar der Nonnenkirche in Fulda (entstanden vor 1690)
mit zwei Paaren gedrehter Säulen. Als Altarblatt dient heute eine Darstellung
des hl. Joseph des Fuldaer Hofmalers Johann Andreas Herrlein, datiert 1750,
gestiftet von Propst Karl von Fechenbach. Daneben und gegenüber Figuren der hl. Katharina
und der hl. Apollonia (südl. Wand) etwa aus dem Jahre 1700 in Ädikulen mit
Stifterwappen des Propstes Philipp von Spiegel zu Diesenberg.

Aus der gleichen Zeit stammt die Kanzel mit reichem, aber schablonenhaft gestaltetem Knorpelwerk,
jedoch mit guten, kleinen Plastiken der Kirchenväter und einem auferstandenen Christus
auf dem Schalldeckel. Der Hochaltar: reichgegliederter Holzaufbau mit Säulen und Pilastern,
vielfach gekröpftes Gebälk. Das Altarblatt mit dem Kirchenpatron St. Petrus gemalt
von Clemens Witzel 1867; die Seitenfiguren St. Bonifatius und Sturmius, Holzplastiken
von Andreas Balthasar Weber aus dem Jahr 1733. Stifter Placidus von Bastheim (1720-1736).

Das Kruzifix über dem Hochaltar ist eine ausgezeichnete Arbeit von 1755. In der südlichen Chorkapelle:
überaus reichgeschnitzter Altar aus nicht gestrichenem Holz, prachtvolle Schnitzereien,
in dieser Beziehung eines der hervorragendsten Stücke des Fuldaer Barocks. Das Altarbild,
mit einer Darstellung der heiligen Maria mit ihren Eltern Anna und Joachim, ist leider nicht
von gleicher Qualität. Stifter des Altares war Propst Spiegel zu Diesenberg (1691-1720).
An der Ostwand reich verzierte Altarretabel (Pendant zu der an der nördlichen Langhauswand).
Das Altarblatt: Kruzifixus mit Maria Magdalena ist datiert 1750. Es trägt das Wappen des Stiftes
Karl von Fechenbach und wurde von J. A. Herrlein gemalt.

Gefällig geschnitzter Orgelprospekt aus der Zeit um 1750 mit dem Stifterwappen
des Propstes Karl von Fechenbach.

In der Krypta Grabdenkmal für Propst Philipp von Spiegel zu Diesenberg (1720) und
für dessen Neffen, den Wormser Domherrn Stephan von Hanxleden
(seit 1713 auf dem Petersberg); ferner die Epitaphe für die Pröpste Placidus von Bastheim
(seit 1736) und Bonifaz von Hutten zu Stolzenberg (seit1739), die beiden ersteren
in sehr ruhigen, unbarocken Formen, die beiden letzteren in lebhaftem Barock.

An der südlichen Wand der Krypta einfache, volkstümliche Darstellung eines früheren Brauches,
demzufolge Mütter ihre kranken Kinder zur Heilung in den sog. Schreistein, den offenen Sarkophag
der heiligen Lioba, legten.

Klassizismus

In der nördlichen Seitenkapelle Epitaph des Propstes und Weihbischofs Konstantin Schütz von Holzhausen
(1775) mit den bischöflichen Insignien, und in der südlichen Seitenkapelle Epitaph
des vorletzten Propstes Adolf Freiherr von Hövel (seit 1794). Schwache, aber seltene Beispiele
von Fuldaer klassizistischen Arbeiten.

20. Jahrhundert

Im Turmuntergeschoß: moderner Kreuzweg in kleinen Stationen Ton gebrannt, ein frühes Beispiel
der modernen, figurenarmen Kreuzwege, 1928 von Prof. Sauter, Kassel.

In der Ostwand der nördlichen Seitenkapelle ein 1964 vom Kloste Wald gestiftetes,
den Traum der heiligen Lioba darstellendes farbiges Fenster (Entwurf Prof. W Geyer).

Über dem Außeneingang der Krypta unter dem südlichen Querschiff: Terrakottaplastik
der hl. Lioba von Alois Hack, Petersberg

 

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